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Zum Begriff "Indianer"

Darf man heute noch INDIANER sagen ?

Das SoFe Programm von Tübingen bewirbt diese Woche als "Mädchenwoche in der ArcheSchäferei" - da wurde dieses Jahr (2026) der Begriff "Indianer" als "nicht mehr zeitgemäß" zurückgewiesen. Leider wurde mit dem "Indianer" in der Überschrift gleich das ganze Thema gelöscht.

Ich werde die Überschrift "Indianerwoche" für meine Kinderkurse weiterhin verwenden. Das ist kein anthropologisches Seminar. Ich werde auch IM Kurs "Indianer" sagen. Wir werden aber auch darüber sprechen, dass es VIELE Völker Nordamerikas gibt, wie sie aussahen und lebten bevor Kolumbus und die Europäer kamen, als die Europäer da waren und auch Beispiele wie sie heute leben. Wir werden also gemeinsm entdecken, daß es nicht "den Indianer" gab oder gibt, sondern eine Vielfalt an Gruppen, Stämmen, Völkern, Sprachfamilien, Lebensgewohnheiten und Lebenslagen, Aussehen, Kleidung, politischen Verbänden. Im Übrigen nannten sich die meisten Stämme schon immer selbst anders, als sie von ihren Nachbarn bezeichnet wurden.

Wenn man "Indianer" einfach weglässt, wie nun im Tübinger-Programmtext, wird die Sache ja nicht besser. Ich bin sehr für respektvollen Umgang, aber nur einen Begriff zu streichen, ist nicht die Lösung. Zudem hat das SoFe TÜ mit dem Begriff auch das ganze Thema aus dem Text gelöscht und ignoriert die Völker damit komplett. Das finde ich "falscher" als einen Begriff zu benutzen, der vielleicht nicht ideal ist, für den wir aber aktuell keinen adäquaten anderen haben. Und mit "Indianer" einen Begriff, der von vielen Natives selbst als Überbegriff für die nordamerikanischen Völker, die vor 1492 bereits dort lebten, genutzt wird.

Es ist sehr viel vielschichtiger als man in einem anderen - für Kinder verständlichen - Überbegriffs-Wort unterbringen könnte, daher werde ich bei "Indianer" bleiben und genau drüber reden. Wir haben Bücher und Fotos und Landkarten da, wir singen auf Lokota - einer der vielen Nordamerikanischen Sprachen, die auch heute noch gesprochen wird - zu hören auch im Film "Der mit dem Wolf tanzt". Wir schauen auf der Landkarte wo die Dakota, Hunkpapa, Irokesen, Anishinabe, Zuni, Mohawk, Shohonee und die Haida leben. Karl Bodmer und der Fürst zu Wied haben um 1835 Originale des Mandan Häuptlings Mato Tope geschenkt bekommen, die dokumentiert, gemalt und fotografiert wurden. In dem wunderschönen Buch von Gabriele Kärcher lernen wir Apuni kennen, ein Crow Mädchen aus Montana, und auch ihre Familie, ihre Tiere und ihr Leben im 21. Jahrhundert.

Das Problem ist nicht der Begriff, sondern das Klischee. Und darüber muss man reden. Nur so kommt man aus dem Cowboy-Film-Bild der "Rothäute" raus - und hin zu den Menschen, die sie waren und sind.

Hier noch einige links zum Thema

https://www.swr.de/swrkultur/wissen/darf-man-noch-indianer-sagen-112.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Indianer

Stellungname der naaog = Native American Association of Germany e.V.

https://naaog.de/Deutsch-German/Indianer-Politische-Korrektheit/

https://naaog.de/Deutsch-German/Indianer-Politische-Korrektheit/Indianer-Was-bringt-der-Verzicht-auf-dieses-Wort/index.php/ daraus zitiert /abgerufen am 11.05.26):
"Seit in Deutschland behauptet wird, das Wort "Indianer" sei eine "rassistische und abwertende Fremdbezeichnung" und seit das wichtige Thema "kulturelle Aneignung" sehr kontrovers und emotional diskutiert wird, ist folgende Entwicklung zu beobachten: Viele pädagogische Einrichtungen trauen sich nicht mehr, Projekte durchzuführen, die jahrzehntelang bei den Kindern sehr beliebt waren. Wir betrachten dies mit großer Sorge, denn oft wurde durch diese Projektwochen bei den Kindern das Interesse geweckt, mehr über die Stammesnationen zu erfahren.

Inzwischen ist deutlich zu erkennen, dass der Verzicht auf das Wort "Indianer" nicht gleichzeitig zu einem respektvollen Umgang mit dem Kulturgut der Stammesnationen und indigenen Communities führt. Die Inhalte haben sich nicht wesentlich verändert. Dies bedeutet, dass stereotype Vorstellungen nach wie vor an die nächste Generation weitergegeben werden."

Fazit Barbara Zeppenfeld: Wir benutzen den Begriff, aber wir bröseln die Stereotype auf. Das ist mein Ansatz und so arbeiten wir seit vielen Jahren in den Ferienkursen der ArcheSchäferei.

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